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DIE FAUST SELBST WAR EINST EINE GEÖFFNETE HAND

Jehuda Amichai im Trialog von Wort, Kunst und Musik

Sein Satz „Die Faust war einst eine geöffnete Hand“ steht sinnbildlich für das, was dieser Abend sucht: die Verwandlung von Erinnerung in Begegnung, von Schmerz in Verständigung, von Geschichte in Zukunft. Entstanden ist ein künstlerisches Gesamterlebnis von Regisseurin und Choreographin Emanuella Amichai, der Tochter des Dichters, das Poesie, Musik und persönliche Erzählung miteinander verbindet. Robert Herrmann, Jazzpianist mit einem Schwerpunkt auf jüdischer und osteuropäischer Musik schafft den musikalischen Raum, in dem Amichais Lyrik neu erklingt – zwischen Meersburg und Jerusalem, zwischen Zartheit und Widerstand. Die in Deutschland lebende jüdische Sopranistin Linoy Galmidi gestaltet Amichais Texte zur Musik von Robert Herrmann neu. Die hebräischen Originaltexte Amichais treffen auf ihre deutsche Interpretation durch Bernhard Stengele, Schauspieler, Regisseur und Rezitator. Marianne Hollenstein, bildende Künstlerin, ergänzt die Aufführung durch zurückhaltendes Live-Painting: Ihre Zeichnungen entstehen im Moment und öffnen einen feinen visuellen Resonanzraum für Amichais Worte und die Musik. 

Der Abend ist zweisprachig (Hebräisch/Deutsch) und verbindet Rezitation, Musik, Kunst und Reflexion zu einem poetisch-intensiven Erlebnis. Er versteht sich als Zeichen kultureller Verständigung und lebendiger Erinnerung – in einer Zeit, in der Kunst Brücken schlägt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Gedächtnis und Verantwortung, da wo Politik scheitert

Linoy Galmidi singt Amichais Gedichte in einer Neuvertonung von Robert Herrmann anstelle der Lesung von Emanuella Amichai. Diese kurzfristige Programmänderung wurde notwendig, weil die Tochter des Dichters aktuell nicht aus Israel ausreisen kann. Dies zeigt, wie dramatisch die Lage im Nahen Osten ist. Es zeigt, wie ohnmächtig wir uns angesichts von Kriegen fühlen, die unsere Vorstellungskraft übersteigen: in Gaza, in Palästina, im ganzen Nahen Osten. Gleichzeitig erleben wir, wie der Antisemitismus in Deutschland immer unverhüllter und lauter zum Ausdruck kommt. Umso wichtiger ist es, dass wir die humanistische Seite unserer Gesellschaft hörbar machen — die versöhnlichen, klugen, ausgleichenden Stimmen.